1. Allgemeines
Die bayerischen Wasserver- und Abwasserentsorgungsbetriebe stehen vor großen Herausforderungen. So will die Europäische Kommission auch für Leistungen der Daseinsvorsorge einen freien Wettbewerb, der für den Bürger zu günstigeren Preisen bei gleichbleibend guter Leistung führen soll. Die Bundesregierung lehnt zwar eine weitgehende Liberalisierung des "Wassermarktes", wie in Brüssel erwogen, ab, verkennt aber nicht die Notwendigkeit von Verbesserungen im Bereich der Ver- und Entsorgung. Sie hat daher eine Modernisierungsstrategie für die nachhaltige Wasserwirtschaft in Deutschland (Bundestagsdrucksache 14/8564) verabschiedet und durch das Wirtschaftsministerium einen sogenannten Wasserleitfaden erarbeiten lassen.
Ziel dieser Aktivitäten sind deutsche Wasserver- und Abwasserentsorger, die als effiziente, kundenorientierte und wettbewerbsfähige Dienstleistungsunternehmen den von der EU gewünschten Wettbewerb nicht fürchten müssen und dabei sowohl den hervorragenden technischen Standard als auch die hohe Ver- und Entsorgungssicherheit beibehalten.
Am Anfang aller Bemühungen muss aber zunächst einmal eine Standortbestimmung erfolgen, um erkennen zu können, "wo wir eigentlich stehen". In einer Arbeitsgruppe beschäftigen sich seit November 2005 die kommunalen Spitzenverbände Bayerischer Gemeindetag und Bayerischer Städtetag, die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA),
Landesverband Bayern, zusammen mit dem Bayerischen Umweltministerium mit der Frage, wie in der bayerischen Abwasserentsorgung die geforderte Standortbestimmung mit Leistungsvergleich - das sogenannte Benchmarking - möglichst umfassend durchgeführt werden kann. Dabei kann auf Erfahrungen im Bereich der Wasserversorgung zurückgegriffen werden, wo unter der Federführung des Bayerischen Umweltministeriums in den letzten Jahren Benchmarkingprojekte durchgeführt wurden. Die positiven Ergebnisse dieser "Effizienzuntersuchung Wasserversorgung Bayern" (EffWB) machen die Wichtigkeit einer vergleichbaren Untersuchung im Abwasserbereich deutlich.
2. Ziele der Vereinbarung
Die Arbeitsgruppe hat mit der Durchführung eines europaweit ausgeschriebenen Empfehlungswettbewerbs "Abwasserbenchmarking in Bayern" gemeinsam den erforderlichen konzeptionellen Rahmen für ein Benchmarking in der Abwasserwirtschaft des Landes Bayern erstellt. Aus dem Empfehlungswettbewerb ist die Firma aquabench GmbH, Hamburg und Köln, gemeinsam mit der confideon Unternehmensberatung GmbH, Berlin, als Sieger hervorgegangen.
Die Unternehmen werden das Benchmarkingprojekt als flächendeckenden Kennzahlenvergleich durchführen, wobei auf die unterschiedlichen Unternehmensgrößen Rücksicht genommen wird.
Die Partner gehen bei der Verwirklichung ihres gemeinsamen Ansatzes für ein Benchmarking von folgenden Grundsätzen aus, die auch in der bundesweiten Erklärung der Verbände der Deutschen Abwasserwirtschaft vom 12.11.2003 enthalten sind:
- Freiwilligkeit der Teilnahme,
- Vertraulichkeit,
- Flexibilität in Bezug auf die Unternehmenserfordernisse.
3. Empfehlung und Unterstützung des Benchmarkingprojektes
Der Bayerische Gemeindetag, der Bayerische Städtetag und die DWA empfehlen ihren Mitgliedern die Teilnahme am Benchmarkingprojekt, das von aquabench GmbH und confideon Unternehmensberatung GmbH angeboten wird. Auch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit würde es begrüßen, wenn möglichst viele Unternehmen an einem bayernweiten Benchmarking für Abwasserunternehmen teilnehmen würden. Eine weitergehende Liberalisierung des Wassermarktes durch EU - Recht kann nur durch genügend freiwillige Aktivitäten im Bereich der Effizienzsteigerung vermieden werden. Ein möglichst flächendeckendes Benchmarking ist dafür Voraussetzung!
Die Teilnahme am Benchmarking wird durch das StMUGV aus Mitteln der Abwasserabgabe gefördert. Jeder Teilnehmer erhält pauschal 500 Euro. Der Betrag wird an die aquabench GmbH ausgereicht, die das Honorar für ihre Beratungsleistung um diesen Betrag vermindert. Zur Unterstützung und Beratung des Benchmarkingprojekts bilden die Partner ein Begleitgremium, in dem die kommunalen Spitzenverbände, die DWA und das Umweltministerium vertreten
sind.
Die Rechte und Pflichten der teilnehmenden Unternehmen und der aquabench GmbH und confideon Unternehmensberatung GmbH werden jeweils bilateral vereinbart
4. Umgang mit den Daten
Die erforderliche Datenerhebung, die Datenhaltung und die Datenauswertung erfolgt ausschließlich durch aquabench GmbH und confideon Unternehmensberatung GmbH.
Als Ergebnis des Benchmarkings soll den teilnehmenden Unternehmen durch eine unternehmensbezogene Auswertung der erfassten Daten eine seriöse und belastbare Standortbestimmung durch den Vergleich mit "den Besten" aufgezeigt werden. Darüber hinaus sollen durch das Benchmarking erste konkrete Hinweise zur weiteren Optimierung der beteiligten Unternehmen gegeben werden.
Über die Ergebnisse des Benchmarkingprojektes soll in angemessener Form (aggregiert und anonymisiert) durch eine landesweite Zusammenfassung und Auswertung der Daten berichtet werden. Die Ergebnisse können des Weiteren in anonymisierter Form auch für das vorgesehene bundesweite Branchenbild Verwendung finden.
Der Bericht wird im Begleitgremium abgestimmt.
Die Partner sind sich darüber einig, dass die unternehmensbezogenen Daten ausschließlich den beteiligten Unternehmen und keinem weiteren Dritten, außer aquabench GmbH und confideon Unternehmensberatung GmbH zur Verfügung gestellt werden. Die aquabench GmbH und confideon Unternehmensberatung GmbH wurden im Rahmen der Durchführung des Empfehlungswettbewerbs auf die Einhaltung höchster Anforderungen im vertraulichen Umgang mit den Daten verpflichtet.
Die Gemeinsame Erklärung zum Projekt Benchmarking Abwasser Bayern können Sie sich hier als PDF herunterladen.

